Es kostet was es kostet?

und wer soll das denn alles bezahlen? 

Hier hab ich eine sehr klare Meinung, liegt sicher daran das ich doch schon die eine oder andere Unverschämtheit erlebt habe; komme ich gleich dazu.

Um einmal voll in das Thema zu „knallen“ ohne drum rum zu reden; es gibt für jedes Brautpaar die passende Hochzeit also für jeden Auftraggeber den richtigen Auftragnehmer. 

Gerne vergleiche ich es mit einem Autokauf. Ihr wollt einen Ferrari fahren, könnt Euch aber lediglich einen Fiat 500 leisten. Ist eigentlich klar, mit welchem Auto Ihr fahren werdet, oder?

Hochzeit ist nicht doppelt so teuer, weil es eine Hochzeit ist. Aber Ihr möchtet an dem einen Tag sehr wahrscheinlich mehr haben als an einem Geburtstag, also ist es doppelt so schön.

Schlussendlich liegt es alleine an Euch, was die Hochzeit kostet. Muss der Tag mit 150 Personen, einem Kleid vom Designer, die 6 stöckige Torte mit Blattgold, aufwendig personalisierte Gastgeschenken und mit allem drum und dran im 3 Sterne Restaurant gefeiert werden? Ihr möchtet auf nichts verzichten, dann ist klar, dass ihr dann entweder lange sparren müsst oder vielleicht sogar einen Kredit für den einen Tag aufnehmen werdet. Wer Ferrari fahren will, muss eben tief in die Tasche greifen. Was aber nicht heißt, dass das Fahren mit einem alten Minicooper genauso Spass macht. Es zwingt Euch ja keiner, diesen Dienstleister oder die Location zu nehmen, liegt alleine an Euch. Ergo, müsst Ihr Euch auch nicht über seine Preise aufregen.

Seit nicht verärgert, wenn ein Dienstleister ein für Euch zu hohes Angebot hat und Ihr es nicht einseht das zu bezahlen. 

Es gibt Hochzeitsdienstleister, die nur von Hochzeiten leben und unter Umständen in der Saison das rein holen müssen um das ganze Jahr Ihre Unkosten zu tragen. Oder es gibt wie ich sie nenne „Hobby Dienstleister“ die das ganze aus Spaß an der Freude machen und natürlich ganz andere Preise haben als ein Geschäft welches davon noch ganz andere Unkosten zu tragen hat. Ihr habt die Möglichkeit mit Dienstleistern zu arbeiten, die Ihren Beruf auch erlernt haben oder mit Dienstleistern die sich Ihr Können selbst beigebracht haben. 

Um es in einem konkreten Beispiel zu erläutern; ich rede hier natürlich wieder von mir und nicht von den anderen.

Hochzeiten & Events sind mein Kerngeschäft und überwiegend mache ich in der Saison meinen Umsatz der auch meine Unkosten in den ruhigen Wintermonaten abdecken muss. In den Wintermonaten mache ich zum Beispiel überwiegend die Besprechungen mit den Brautpaaren, was in erster Linie unbezahlte Arbeit ist. 

Da ich ein Einzelunternehmen und somit Mehrwertsteuer verpflichtet bin, geht nicht direkt das in meine Tasche was auf Eurer Rechnung steht. 

Bezahlt Ihr 2500€ für Eure Dekoration, gehen erst einmal 19% an das Finanzamt. Damit dieses auch Ihre Informationen jeden Monat von mir bekommt beschäftige ich einen Steuerberater der 150€ mtl. nimmt. Damit ich auch in Krankheitsfällen abgesichert bin, muss ich mich als Selbständige privat versichern und somit zahl ich hier knapp 500€, dazu brauch ich noch einen Unfallschutz, Unternehmensschutz, Rentenversicherung, Rechtsschutz und eine Lebensversicherung ist auch nicht verkehrt, was zusammen auch nochmals gute 300€ sind.

Jetzt habe ich noch ein Geschäft, was mich Miete kostet und natürlich Angestellte, die Lohn bekommen plus die Knappschaft welche auch noch 30% von dem ausbezahlen Lohn erhält. Nicht zu vergessen, dass wir noch Strom, Wasser, Telefon und einen Internetdienst zum arbeiten brauchen. 

Also summa summarum können bei uns die monatlichen Unkosten schnell auf 6000 € klettern und in der Summe haben wir noch kein Material für Eure Hochzeit gekauft. Blumen, Stoffe, Papier. All das, um Eurer Hochzeit den Feinschliff zu verpassen gehen noch von den 2500€, die Ihr bezahlt ab.

Ach ja und einen Lohn hab ich mir hier auch noch nicht ausbezahlt.

Wenn Ihr euch also wundert, warum der eine Dienstleister 2500€ für die gleiche Dienstleitung verlangt wofür der andere lediglich die Hälfte nimmt, liegt es sehr wahrscheinlich an seinen Betriebskosten und ob er den Beruf hauptberuflich ausübt oder sich lediglich nebenbei etwas dazu verdient. 

Ein weiterer Punkt betrifft sicherlich die Wertigkeit zu seinen Produkten. Ich kann die Blumen nachhaltig und kostspieliger beim Händler x einkaufen. Mit guter Qualität oder für ’n Apfel und ’n Ei beim Händler Y bei dem ich nicht weiß ob ich überhaupt die gewünschten Sorten bekomme, geschweige denn dass die Qualität stimmt und er mir nicht verwelkte Blumen schickt.

Gleich verhält es sich mit dem Essen, ein gutes Restaurant oder Caterer geht sorgsam und verantwortungsbewusst mit den Nahrungsmitteln um und kocht nicht mit irgendwelchen Nahrungsergänzungsmitteln, Geschmacksverstärkern oder Tiefkühlgerichten sondern frisch und am besten noch mit Produkten aus der Region. Oder soll die Hochzeitsgesellschaft am nächsten Morgen Bauchschmerzen haben oder Schlimmeres?

Ich sage nicht, dass alles was gut ist gleich teuer sein muss, aber wie es in der Werbung schon heißt; „Qualität hat eben Ihren Preis“ und Ihr die Wahl, ob Ihr diesen bezahlen möchtet. So wird es immer an Euch liegen, was Ihr bereit seid für die Hochzeit auszugeben. 

Es ist von Region zu Region sicherlich nochmal unterschiedlich. Bei uns in BadenWürttemberg oder hier direkt an der Schweizer Grenze gehen Hochzeiten mit durchschnittlich 80 Personen bei 15 000€ los. Unsere Hochzeit hatte 2012 9000€ mit 80 Personen gekostet, wir haben jedoch privat gefeiert und fast alles selbst gemacht. Es liegt immer an Euren Wünschen was Ihr haben möchtet. Es nützt wenig, wenn Ihr eine Anfrage stellt mit 

„Hallo, wir heiraten am 22.02.2020 was kostet die Dekoration?“  

da sind wir wieder beim Autokauf. Welcher Porsche soll es denn sein, ein einfacher Boxer oder Carrera oder ein Oldtimer von 1870? 

Immer eine klare Ansage und so bekommt Ihr auch ein klares Angebot. Seid Ihr Euch aber unsicher, dürft Ihr das auch gerne äussern. Lasst Euch immer mehrer Angebote geben, damit ein Vergleich statt finden kann und wägt ab, was davon wirklich wichtig ist, wo Euer Schwerpunkt liegt.

Nun hatte ich ein Paar welches mir vor ab Ihr Wunschbudget von 1500€ angeben hat. Dafür wollten sie die Tischdekoration mit grossen üppigen Blumenkränzen, Stuhlschleifen und  Namenskarten für knapp 80 Personen, eine Sitzordnung, Raumdekoration, die freie Trauung mit einem Blumenbogen und die Brautfloristik also Brautstauss/ Wurfstrauss usw. 

Das die Wünsche mit dem Budget kaum machbar sind hatte ich Ihnen bei der Musterbesprechung gesagt und mit dem Budget hätten wir im kleinen Stil sicherlich etwas sehr Schönes hinbekommen, doch die Braut wollte weder auf Ihre üppigen Blumenkränze verzichten, noch auf die rosa Stuhlschleifen die genau das Rosa haben mussten wie Ihr Pulli den sie trug. 

Sie hatten von mir ein Angebot bekommen in dem alle Punkte einzeln aufgelistet waren, ich weiß nicht mehr wo mein Angebot lag aber natürlich weit über Ihrem Wunsch Budget von 1500€.

So und was passierte? Ich erhielt vom Bräutigam ein Gegenangebot welches er mir fein säuberlich in einer Excel Tabelle darbot. Zu meinen Preisen setzte er seine Wunschpreise -50% weniger- bzw. was er dafür zahlen würde dahinter.

Ihr lacht.

Ich fand es leicht dreist aber schrieb Ihnen ein Neues Angebot was Sie bekommen würden für die angegebene Summe, fanden sie nicht gut, wollten ja nicht auf den Ferrari verzichten und lehnten ab.

Die Mama wusste es natürlich am Besten und schrieb uns diese Nette Bewertung bei Herr Google.

 

Uns wurde Platzwechsel für die Dekoration der Hochzeit (Juni 2019) unserer Kinder empfohlen. Gerne ist das Brautpaar der Empfehlung gefolgt und hatte einen ersten Besprechungstermin. Obwohl klare Infos über ein Budget vorab kommuniziert wurden, wurde ein Kostenvorschlag geschickt, der 1000 Euro darüber lag. Wir hatten den Eindruck, das es Ziel war, uns auf das Pauschalangebot  von 1800 Euro zu drängen. Die Zusatzkosten für Aufbau und Transport sind horrend (Std-lohnansatz von 90 Euro).  Unsere Wünsche nach Veränderung der Dekoration wurden in unverschämter Weise abgetan - sprich - dass können wir nicht machen. Wir haben das Angebot nicht angenommen und  das Abkassieren von 180 Euro für die Erstellung einfach als Lehrgeld gesehen. Wir haben eine weitaus bessere und kreativere Floristin in Weil am Rhein gefunden. Platzwechsel ist keine Empfehlung.

Genau da hätten wir eben diesen feinen Unterschied zwischen einem Dekorateur der sich auch um den Auf- und Abbau kümmert, alle Blumenarrangements herstellt, 80 Stuhlschleifen bindet, 80 Namenskarten herstellt und anbringt  und zum Floristen der lediglich das Blumenbouquet herstellt und liefert. Da haben doch viele Arbeitsstunden unterschied. Es tat mir natürlich auch leid das ich Ihnen die Musterbesprechung in der sie in 3 Stunden ein eigenes Dekorationskonzept erhielten und das selbstverständlich auch bei der besseren und kreativeren Floristin identisch umsetzen ließen, nicht ersparen konnte. Lag wahrscheinlich an meinen monatlichen Betriebskosten, dass ich es nicht für „umme“ machen konnte. 

Aber einen Schwank aus meinem Hochzeitsdienstleisterleben hätte ich noch, soll ich? Ein klassischer Fall von "Können wir da noch was am Preis machen“ was ich des öfteren erlebe.

Der Bürgermeister aus dem kleinen Dörfchen, nennen wir es mal „Gold&Prunk“ im Schwarzwald, wollte seine Frau bei einem grossen Fest heiraten. Die Braut kam mit Ihrer Hochzeitsplanerin und ich präsentierte ein einmaliges Konzept zum Thema „Schwarzwald“, welches ich auf Ihre Wünsche kreiert hatte. Ein sehr cooles Konzept welches perfekt in die geplante Scheunenhochzeit passte. Viel Handarbeit und Dekoration die nur für diesen Tag angefertigt wurde. Das war quasi kein Ferrari von der Stange, sondern noch einer mit Sonderausstattung. 

Nachdem die Braut ihrem Zukünftigen das Konzept vorstellte, er begeistert war und sie mir in einer Sprachnachricht mitteilten das es gerne noch mehr Glamour haben soll, schrieb ich mein Angebot.

Wie gesagt, wir haben  hier eine Feier mit über 150 Personen 16 x 4meter Tischen und jede Menge Blumen und klein Gedöns. Da kommt man eben schnell mal auf über 4000€ und „Gold&Prunk“ lag auch nicht in der Nachbarschaft und Glamour hatte ich leider nicht auf Lager. 

Er ließ dann über seine Hochzeitsplanerin ausrichten, dass es ihn nach meinem Angebot vom Stuhl gehauen habe und er die Summe auf gar keinen Fall bezahlen möchte. Seine Kollegen hätten schließlich mit 200 Personen gefeiert und nur 600€ für die Blumen bezahlt. Seine Preisvorstellungen lägen bei 1500€ Brutto und mehr würde er auch nicht bezahlen. Ob man am Preis noch was machen könnte. Das ist doch super wenn ein Mann weiß, was er möchte. Nur schade, dass sie mir das nicht vorher mitgeteilt haben, sonst hätte ich Ihn gleich zum Fiat Händler geschickt. 

Ich lehnte den Auftrag ab. Glamour konnte ich mit diesem Budget leider nicht zaubern.

Vielleicht bin ich da auch etwas kleinlich, dass ich aber auch immer so allergisch auf die Frage reagiere „ob man noch was am Preis machen könnte?“ *Ironie*

Sind wir auf dem Türkischen Basar und ich hab es nicht mitbekommen? Ich gehe doch auch nicht Milch und Butter kaufen und frage die Kassiererin an der Kasse ob sie noch etwas am Preis machen könne. Was ist das den für eine Unart? 

Nicht dass ich ein geiziger Mensch wäre, ich gebe wirklich gerne, beschenke meine Liebsten und auch meine Paare von Herzen gerne. Hab ich ein Brautpaar welches für 3000€ aufwärts einen Auftrag bei mir abgibt, ist es für mich Ehrensache, dass die beiden von mir noch ein „Gudi" bekommen. Aber ich sehe es nicht ein jemandem zu geben, der mehr besitzt als ich oder der nicht den Wert meiner Arbeit schätzt. Ein ausgewogenes Geben und Nehmen auf Augenhöhe. Eigentlich ganz einfach und so schließen wir auch das Kapitel Kosten.