Der Plan oder die Pläne und „zu tun“ Listen

Die Reise vom Antrag bis zum Ringwechsel „Eigentlich wollten wir ja nur heiraten“

Der romantische Antrag ist vollbracht und die Euphorie reicht bis in den Himmel. Mit rosa Herzen in den Augen hüpfen Sie über die Strassen und planen den grossen Tag mit allem was die Branche zu bieten hat. Nehmen dabei jede Hochzeitsmesse mit; dabei im Schlepptau die Trauzeugin, Mama, Schwiegermama in Spe und natürlich der - meist - nicht so begeisterte, zukünftige Bräutigam. 

Ich hab sie immer vor Augen, wie sie durch die Gänge streifen, die Reizüberflutung und Fragezeichen in den Augen stehend. Wie sie an den grossen Schmuckständen in den riesigen Messehallen, die sich nur um das eine Thema drehen, schweißgebadet da sitzen, hier meine ich den zukünftigen Ehemann; und sich wahrscheinlich denken „Ich wollte sie doch nur heiraten“. 

Brauchen wir einen Clown an unserer Hochzeit oder ein Feuerwerk? Welche Ringe? Gold, Silber oder doch für immer tätowiert? Wo werden wir feiern? Schloss, Garten oder im Kinderland? Welche Dienstleister brauchen wir? Stilisten, Ausstatter, Planer und Koordinatoren? Mit Initialen bestickte Servietten? Wo fangen wir an, wann müssen wir was buchen und wer soll das denn alles bezahlen? Fragen über Fragen und alle haben Euch irgendwelche Antworten. 

Ich auch: „Die Dekoration ist am wichtigsten“ flunker - flunker. 

Natürlich ist das wichtig,  was Ihr für wichtig haltet. Egal ob das das Brautkleid ist oder ein bestimmter Fotograf aus weiter Ferne. Hinterfragt Euch doch selbst immer wieder, ob Ihr das bestickte Ringkissen wirklich benötigt oder es auch eine Baumscheibe mit einer Wäscheklammer tut? Die Branche hat unglaublich viel für diesen einen Tag zu bieten. Geschmäcker sind verschieden, Ihr müsst nur herausfinden, was Euren Geschmack trifft. Hier gibt es kein „das muss ich auch machen weil es alle anderen schon hatten“. Findet lieber Euch selbst und gute Vibes für Euren Tag.

Persönlich finde ich gutes Essen und eine gemütliche Location wichtig. Gutes Essen hebt die Stimmung bei den Gästen. Fühlen sie sich wohl, egal wie und wo, kann es nur eine schöne, entspannte Hochzeit werden. So ein Tag ist doch irgendwie wie Weihnachten mit der ganzen Familie und Verwandtschaft, nur x 100. Alles soll perfekt sein, nichts darf schief laufen und alles muss anders sein als sonst. Muss es das wirklich? Sind hier die Pannen und Tränen der Enttäuschung nicht schon vorprogrammiert? Hier wurde schließlich monatelang Druck aufgebaut für den perfekten Tag.

So, nun von der anfänglichen Euphorie mittlerweile wahrscheinlich in der Realität angekommen, fragt Ihr Euch wie alle anderen Paare auch, wo fange ich eigentlich an und warum muss ich mich jetzt auf einmal mit Themen beschäftigen, die ich gar nie debattieren wollte? 

Natürlich tickt jeder anders. Ich brauche definitiv Listen und feste Tage an denen ich feste Abläufe habe und Aufgaben folgen kann. Sonst geht es mir wie heute; gerade sitze ich bei 24°C und Sonnenschein im Garten, Mitte April 2020, die Corona Krise voll im Gange und anstatt Boxen zusammen zustellen und sie in den neuen Online Shop ein zu pflegen, schreibe ich eigentlich an dieser Bastelbroschüre, die sich immer mehr als Hochzeitsratgeber entpuppt.

Ja genau, so kommt es, wenn kein Tagesablauf da ist. Aber genau so wichtig ist es, sich Zeiten zu schaffen in denen man selbst eben kreativer ist und vielleicht gerade mehr Lust hat, seine Geschichten und Erfahrungen aufzuschreiben, als den Online Shop zu pflegen.

Was ich Euch damit sagen möchte: Pläne sind wichtig um den Faden nicht zu verlieren, aber sollten nicht Euer Leben bestimmen. Findet Euren Rhythmus so wie Ihr ihn in Eurer Beziehung gefunden habt, Eure Harmonie.

Bevor Ihr Euch also auf Internetplattformen informiert und Euch reizüberflutet, sprecht erst einmal gemeinsam darüber, welche Vorstellungen Ihr beide von Eurem Tag habt. Versucht Euch erst einmal etwas in der Theorie und erstellt in einer ersten Liste, was Euch an dem Tag wichtig ist und was er beinhalten sollte. 

Eine weitere Liste soll Euch helfen heraus zu finden, wie der Umfang werden könnte, mit wie vielen Gästen möchtet Ihr feiern. Wer darf, soll und muss dabei sein?

Vielleicht hilft ein grober Tagesablauf vorab schon einmal weiter, um heraus zu finden, was Ihr benötigt. Wie möchtet Ihr getraut werden? Lediglich standesamtlich? Standesamt und eine Freie Trauung anschließend? Die klassische kirchliche Trauung? Ein grosser Sektempfang mit diversen Vereinsspielen wie, Herzen aus Bettlaken schneiden? Oder ein Foodtruck der etwas Feines auf die Hand raushaut? Egal was es wird, Hauptsache es spiegelt Euch wieder.

Und ganz wichtig, wir sind ja erst einmal bei „Wünsch Dir was“ und zu  „So ist es“ kommen wir erst, wenn wir die Angebote mit den Kosten haben. Spätestens da bekommt der Bräutigam den zweiten Schweißausbruch, sehr wahrscheinlich ähnlich wie auf der Hochzeitsmesse, denn schlussendlich bestimmt das Budget den Tag.

Als grober Fahrplan könnte Euch eventuell Folgendes helfen; Hier rate ich meinen Paaren gerne:

Stellt Euch vor, wie Ihr zusammen zieht und macht alles Schritt für Schritt wie Treppen steigen, eines nach dem 

anderen.

Wann zieht Ihr zusammen?

Welches Hochzeitsdatum soll es sein?

Welches Budget habt Ihr zusammen

fordert unverbindliche Angebote ein um ein Gespür für die Kosten zu bekommen

Welche Wohnung soll es werden?

In welcher Location könnt ihr Euch Eure Feier vorstellen?

(1-2 Jahre vorher buchen)

Umzugshelfer informieren

Save the Date Karten raus

(sobald das Datum fix ist)

Handwerker finden

Dienstleister für die Hochzeit aussuchen/buchen oder reservieren

(sobald Ihr das Hochzeitsdatum habt und bestimmte Dienstleister an Eurer Seite haben möchtet)

Neue Adresse bekannt geben

Einladungen mit den wichtigsten Eckdaten raus

(6-8 Monate mit Zusage bis 4-5 Monate vor der Hochzeit)

Bei der Gemeinde anmelden/Behördengänge 

6 Monate vor Datum, beim Standesamt Aufgebot stellen.

Wohnung einrichten

Dekoration/evtl. Mobiliar/ Ringe/ Kleid/ Anzug usw. aussuchen

(6-9 Monate vor der Hochzeit)

Umziehen

Falls Ihr selber auch dekoriert, wäre das 1-2 Tage vor der Feier Eure Aufgabe. Teilt auch hier Eure Themen in Kisten mit Farben sortiert ein und teilt Eure Helfer dementsprechend ein, dazu später mehr.

Einweihung feiern 

Natürlich die Hochzeit

 

 

Es gibt keine Regeln, macht langsam, eines nach dem anderen so wie es für Euch am besten passt. Die Hochzeitsbranche ist riesig und sogar ich als Hochzeitsdienstleister finde sie oft sehr undurchsichtig und leider kompliziert. Woher sollen Paare bei sehr gefragten Dienstleistern auch wissen, das sie sich über ein Jahr vorher anmelden müssen?!  Nicht selten hab ich erlebt das Paare beschmunzelt werden und unsicher zu uns kommen weil sie für manch Dienstleister zu kurzfristig an die Tür geklopft haben. Aber woher soll man es wissen, wenn man nicht jede Woche mit Hochzeiten zu tun hat? Gibt man bei Google „heiraten Schritt für Schritt“ ein kommen natürlich unzählige von Listen und jeder hat andere Empfehlungen und Meinungen.

Legt Euch am besten einen Kalender zu, in welchem Monat oder Woche welche Aufgaben, Behördengänge oder Termine erledigt werden müssen. Mit Plakat und Edding geht das super zum selber machen und ihr könnt die verbliebenen Monate auf eine Seite bringen. 

Wie ich schon erwähnt hatte, teile ich meine Arbeit in Wochentagen ein, so erledige ich in der Saison zum Beispiel immer dienstags die Blumenbestellung, mittwochs richte ich die Dekoration der nächsten Hochzeit und donnerstags kümmere ich mich um deren Sitzplan. Sonntagmittag hab ich Freizeit- ist nur in der Saison.

Versucht die Hochzeitsplanung/ Herstellung in Euren Alltag so einzufügen das sie nicht überhand nimmt und ihr genug Zeit zur Verfügung habt, um Freunde zu treffen, Sport zu machen oder für die Zeit zu Zweit aber ohne das Hochzeitsthema. Beschäftigt Ihr Euch zu sehr mit dem neuen Thema, kann es schnell passieren, dass einer von Euch die Lust verliert und da ist der Streit auch schon vorprogrammiert.

Mit den Listen werdet Ihr Euer Ziel nicht aus den Augen verlieren und immer einen Halt haben, auf den Ihr Euch verlassen könnt. Was ich damit sagen möchte ist, Ihr verliert nicht den Überblick und landet auch nicht im „Kuddel Muddel Land“.